"FAMILIEN UNTERNEHMER GEISTER"
Hörspiel von Robert Woelfl, 24.05.2011
Der Sohn will nicht. Er will einfach nicht. Er will die Firma nicht übernehmen. So sehr ihm Vater, Mutter, Schwester auch zureden, ihn bedrohen, ihn zu überzeugen versuchen - er will einfach nicht. "Du hast mich nicht geliebt", sagt er zum Vater. Doch der Vater wollte nur das Beste. "Ich habe dich absichtlich nicht geliebt", sagt er, "damit du einmal die Firma übernehmen kannst." "Ich habe dich nicht geliebt, damit aus dir einmal ein Unternehmer wird." "Familien Unternehmer Geister" bildet den abschließenden Teil einer Trilogie, in der Robert Woelfl sich mit den Abgründen der freien Marktwirtschaft und mit Menschen, die zunehmend unter den Zwängen ihrer profitorientierten Tätigkeit leiden, auseinandersetzt. In glasklaren und bitter kalten Sätzen macht der 1965 in Villach geborene Autor deutlich, dass der Kapitalismus nicht nur ein Wirtschaftssystem ist. Ökonomische Verhältnisse werden in Beziehungen, und Beziehungen wiederum als Sprache sichtbar. "Geliebt zu werden", sagt die Mutter, "schadet einem nur. Geliebt zu werden, ist ein Wettbewerbsnachteil. Meine Eltern haben mich nicht geliebt, damit ich es einmal besser habe." Der Regisseur Götz Fritsch hatte für seine Inszenierung ein hochkarätig besetztes Ensemble zur Verfügung. Den Vater gibt Martin Schwab, die Mutter Corinna Kirchhoff, die Tochter Meriam Abbas, Rupert Henning spielt den ungeliebten Sohn. (Produktion ORF 2011). |
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"Ressource Liebe"
Hörspiel von Robert Woelfl, 28.10.2008
Wenn Mitarbeiter einer Firma dasselbe wollen wie die Firma selbst, kann sich das Management zufrieden die Hände reiben. Man strebt nach Zusatzqualifikationen, giert nach Schlüsselpositionen und stellt sogar sein Privat- und Liebesleben völlig in den Dienst der Sache. Im neuen Stück des 1965 in Villach geborenen österreichischen Autors Robert Woelfl treibt die Liebe allerdings seltsame Blüten. Line, die eigentlich kündigen wollte, verliebt sich in ein Haus. Nicht in irgendein Haus freilich, sondern in das neue Firmengebäude. Und frisch verliebt wie sie ist, will sie von ihrer Liebe nicht mehr lassen. Gemeinsam mit vier weiteren Kolleginnen und Kollegen diskutiert sie Karrierewünsche und -strategien. Der Wunsch zu lieben und geliebt zu werden, hat sich bei allen auf die Firma übertragen, ordnet sich der Firma unter. In teilweise grotesken Dia- und Monologen skizziert Robert Woelfl ein System, das Überwachung und Bestrafung nicht mehr braucht. Der Kapitalismus beutet die Liebe aus - und macht sie sich als Ressource zu eigen. Unter der Regie von Götz Fritsch spielen Meriam Abbas, Gerti Drassl, Gundula Rapsch, Christoph von Friedl und Jens Wawrczeck die fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer namenlosen Firma, die das geschafft hat, was wohl das "hidden curriculum" jedes modernen Personalmanagments ist: Sie wollen am Ende, was sie wollen sollen (Produktion ORF 2008). |
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